Andreas Hirsch ist Concept Artist und UX/UI Designer und hat in seiner Rolle u.a. an Prototypen für Apple, IKEA oder das Global Village in Dubai gearbeitet. Letztes Jahr hat er sich selbstständig gemacht und erzählt im Malt Freelancer-Interview über seine Erfahrungen in der Zusammenarbeit von Unternehmen und Designern.

Wieso hast du dich dieses Jahr (2020) dafür entschieden Freelancer zu werden? Was hast du davor gemacht?

Nach vielen, sehr unterschiedlichen und lehrreichen Erfahrungen bei sehr unterschiedlichen Unternehmen – kleinen Werbeagenturen, dem Medienhaus Burda, Tech-Startups bis hin zum Tech-Giganten Apple – wollte ich all diese Erfahrungen nutzen, um mir etwas Eigenes aufzubauen und mit Kund*Innen, die meinen Designanspruch teilen, außergewöhnliche Projekte realisieren.

Was sind die Probleme und Aufgaben bei denen du deinen Kunden hilfst?

Interaktionen von Usern und potentiellen Kunden mit einer Website, einer Applikation oder einem Produkt sinnvoll planen, lenken und zu einem erfolgreichen Ergebnis führen.

Eine relativ neue Technologie mit der ich bereits viel Erfahrung sammeln konnte, ist Augmented Reality – das platzieren von virtuellen Objekten und Informationen in die reale Welt. Da gerade bei Augmented Reality Apps das Interface mit der realen Welt verschmilzt zeichne ich sehr viel. Dafür werden ausführliche Storyboards gezeichnet. Ähnlich wie für einen Film. Einige davon arbeite ich dann zu ganzen Filmsequenzen aus. Darauf aufbauend erstelle ich dann das Design für den Prototypen.

Beispiele für Anwendungsfälle sind z.B. ARKit von Apple aber auch weitere, noch nicht veröffentlichte Anwendungen und Produkte mit Augmented Reality. Ich habe diesen Ansatz aber auch schon für ganz andere Projekte genutzt. Zusammen mit der Schlafforscherin Prof. Dr. Kerstin Hödlmoser und dem Edition Riedenburg Verlag haben wir ein Buch über gesundes Schlafverhalten für Jugendliche geschaffen. Meine Illustrationen erzählen die Geschichte der beiden Jugendlichen Tommy und Juli. Es wird nächstes Jahr von der Österreichischen Gesundheitskasse herausgegeben.

Welchen Stellenwert hat Design im heutigen Produktzyklus? Wie werden Design-Prozesse im Unternehmen gelebt?

Meiner Meinung nach spielt Design die ausschlaggebende Rolle. Leider wird Design manchmal noch unterschätzt.

Hierzu ein Zitat von Steve Jobs: „Design is a funny word. Some people think design means how it looks. But of course, if you dig deeper, it’s really how it works. … To design something really well, you have to get it.

Allein in meiner Karriere habe ich schon sehr viele unterschiedliche Design-Verständnisse in Unternehmen wahrgenommen und sehr unterschiedliche Wege gesehen, den Design-Prozess in die Produktion zu integrieren. Aus diesem Vergleich heraus, wage ich zu behaupten: Unternehmen, die großen Wert auf Design legen und die stimmigen Wege gefunden haben Designer und Designerinnen in ihr Unternehmen zu integrieren, sind erfolgreicher.

Was sieht für dich die optimale Zusammenarbeit mit einem Unternehmen oder Kunden aus?

Am Anfang sollte gemeinsam ein klares Ziel formuliert werden. Denn für gutes Design gilt immer noch der Bauhaus-Grundsatz „form follows function“. So klar die Zielsetzung sein sollte, so frei sollte der Weg dorthin sein.

Wie ticken Designer? Was müssen Unternehmen bei der Zusammenarbeit beachten?

Um gute kreative Arbeit leisten zu können, braucht man ein kreativitätsfördendes Umfeld. Und dies auf mehreren Ebenen.

Das physische Umfeld – also das Büro, der Arbeitsraum, die Besprechungsräume – sollte die Sinne positiv ansprechen.

Weiße Wände, graue Büromöbel, kaltes Licht führt dazu, dass wir abstumpfen. Der Alltag wird trist und es entsteht kaum Neues. Sind die Arbeitsräume dagegen angenehm gestaltet – inspirierende Bilder an den Wänden, Pflanzen, die uns an die Verbindung mit der Natur erinnern, unterschiedliche Haptiken von Stoffen oder Bodenbelägen – blühen Mitarbeiter und neue Ideen auf. Das gilt nicht nur für explizit kreativ Arbeitende, sondern für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Das kommuinikative Umfeld sollte positiv sein und auf Vertrauen basieren

Wie ist die Feedbackkultur im Unternehmen? Fühlen sich beim Brainstorming z.B. alle Beteiligten frei, auch mal abwegige Vorschläge vorzubringen? Oder schränken sich Mitarbeiter selbst ein, weil sie eine vorzeitige, negative Einschätzung fürchten? Wenn es bereits um einen konkreten Entwurf geht – wie bewusst wird Kritik geübt oder wird sie persönlich? Ist sie konstruktiv und führt zu einem noch besseren Ergebnis?

Genau wie die Büroräume, muss man auch die Feedbackkultur in einem Unternehmen bewusst und aktiv gestalten. Eng damit zusammen hängt Vertrauen. Wieweit vertraue ich als Projektverantwortlicher eine Aufgabe wirklich einer Mitarbeiter*In oder einem Freelancer an?

Fast jeder Designer kennt wohl das Feedback „Mach das Logo größer!“ oder „Da passt noch mehr Text hin!.“ Kaum eine andere Berufsgruppe erfährt so viel Einmischung in ihre Profession wie Designer*innen.

Vielleicht liegt es daran, dass Design sofort, unmittelbar und unbewußt Emotionen anspricht. Klar, wir alle haben Augen und sobald wir etwas erblicken, setzt sich eine ganze Verarbeitungsmaschinerie im Gehirn in Gang, deren Abläufe sich die Meisten nicht bewusst sind. Die Wenigsten haben gelernt erst einmal wertfrei zu beobachten. Kann ich auch den Blickwinkel eines Anderem einnehmen? Habe ich die Unternehmens-Brille, die Kunden Brille oder irgendeine andere Brille gerade auf? Die größte Wertschätzung für einen Kreativen oder Kreative ist das Vertrauen darauf, dass die Person, die das Design gemacht hat, sich wirklich etwas dabei gedacht hat, Impulsen und Erfahrungen nachgegangen ist, Irrwege verworfen hat und das entstandene Ergebnis nun als die beste Lösung erachtet hat.

Andreas’s Malt Profil